SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 4. Kapitel: Schamanismus in Lateinamerika4.1 Die Lakandonen in SüdmexikoDie Lakandonen sind ein Volk, das im tropischen Regenwald, der »Selva Lacandona«, im mexikanischen Bundesstaat Chiapas lebt und eng mit den Maya Yucatáns verwandt ist. Einige Forscher glauben, daß sie Nachfahren der Maya sind, die vor den Spaniern flohen (zitiert in Rätsch 1985).[ 9 ] Nach eigenem Bekunden sind die Lakandonen schon immer im Gebiet um Palenque ansässig und verehren auch die dortigen Ruinen als Wohnstätten der Götter. Die Lakandonen betreiben Feldbau: Nach bestimmten Regeln und Tabus werden kleine Flächen des Regenwalds gerodet, um dort Mais anzubauen. Daneben leben sie vom Jagen und Sammeln. Eine ökostabile Lebensweise erreichen die Lakandonen durch eine komplexe Verzahnung von Wissen um die Ökologie, Verehrung von Göttern und direkter Beeinflussung von Tierseelen durch Zaubersprüche. Die Elemente ihrer Religion sind, im Gegensatz z. B. zum Christentum, nicht losgelöst von ihrer natürlichen Umwelt und bedingen so durch Ge- und Verbote diese Lebensweise. Die Natur gewinnt ihren Platz in der Kultur der dort lebenden Menschen, es wird also mit ihr, nicht aber gegen sie gelebt. So sind zum Beispiel einige für den Menschen gefährliche Tiere (stechende Insekten, giftige Spinnentiere wie Zecken und Skorpione, Schlangen und Nesselraupen) bei der Menschwerdung aus Versehen erschaffen worden (nach Rätsch 1985): Hachäkyum, der Schöpfergott, formt den Menschen aus Ton. Als er seine Hände danach säubert, fallen Tonkrümel zu Boden und verwandeln sich in die genannten Tiere. Dieses wird von Hachäkyum akzeptiert; es ist nicht mehr zu ändern. Er beauftragt einen der ersten Menschen, wenigstens die in Tonflaschen eingesperrten Insekten weit weg zu bringen, doch der Mensch, mit Namen äh bab, öffnet die Flaschen und so kommen die Insekten doch noch unter die Menschen Zur Strafe lebt äh bab jetzt als Kröte (Bufo marinus) im Sumpf. Hachäkyum bleibt nur noch, die Menschen Zaubersprüche zu lehren und den Tabak zu schenken, damit sie einigermaßen mit den Tieren umgehen können, wohlgemerkt: »umgehen«, nicht hemmungslos bekämpfen und töten. Mit den Zaubersprüchen werden die Seelen der Tiere beeinflußt. Das funktioniert aufgrund des Weltmodells der Lakandonen folgendermaßen (Schilderungen nach Rätsch 1985). Quellen:[ Rätsch 1985 ] Glossar:[ Ökostabilität ] Fußnoten:[9] In dem Fall wäre interessant zu untersuchen, wie es eine ehemalige, durch Naturkatastrophen und Eroberungen (Tolteken, Spanier) zerstörte Hochkultur geschafft hat, sich wieder ökostabil in die Umwelt einzupassen. zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |